Archiv für Nachgedacht

Sturm im Wasserglas

Schon wieder ein Hurricane.
Zerstörte Städte, Menschen
Obdachlos, allein, tot.

Und noch ein Erdbeben.
Städte fallen in sich zusammen
Menschen begraben
Unter Sorgen und Trümmern.

Es trifft die Falschen,
Die „kleinen Leute“!

Ist das fair?
China, USA – und auch wir!
Pusten CO2 in die Luft
Bringen Giftmüll nach Afrika
Wettrüsten
Für den dritten Weltkrieg.

Wir zerstören unsere Lebensgrundlage!
Wie können Menschen auf Hilfe
Aus fernen Galaxien hoffen,
Wenn sie selbst nichts tun,
Um die Erde zu retten?

Für die „Aliens“
Ist das alles nur
Ein weiterer
Unwichtiger
Nett anzuschauender
Sturm im Wasserglas.

Für uns
Ein Kampf ums Überleben.

Kommentare aus

Nachher ist man immer schlauer…

Ich weiß, aber es ist zu spät. Ich kann es nicht mehr ändern und nur hoffen, dass du mir verzeihst, es irgendwann verstehst und wir vielleicht mal darüber reden können. Nur dazu muss sich erstmal die Gelegenheit bieten, denn wir werden nicht mehr viel Zeit gemeinsam verbringen: Bis auf Bio können wir gar keine Stunden zusammen haben, und selbst das ist nicht sicher.
Es tut mir Leid, das ist es, was ich sagen will. Es tut mir Leid, dass ich dir Hoffnungen gemacht und mich dann doch für jemand anders entschieden habe. Dabei wollte ich mich nie gegen dich entscheiden, aber eben auch nicht gegen ihn. Ich wollte immer beide, will es immernoch. Und es tut mir weh zu sehen, wie alle deine Tutanden weggehen. Moritz geht nach Australien, wenn auch nur für drei Monate und auch wenn er pünktlich zum Schuljahresbeginn wieder da ist. Jakob, der das ganze folgende Jahr in England verbringt. Und auch Maxi, der sich jetzt dazu entschlossen hat, nach S. aufs Gymnasium zu gehen und dir noch nichtmal davon erzählt hat. Es tut mir Leid, ich habe das alles so nicht gewollt. Ich wollte bloß nicht der erste auf deiner Liste sein, was, wenn sich danach keiner mehr eingetragen hätte? Ich wollte mit Olivia zusammenbleiben, aber sie wollte eben unbedingt Herrn Sonnenschein. Ich musste mich irgendwie entscheiden, auch wenn ich keinen von beiden verlieren wollte. Das alles sind doch im Grunde nur Ausreden um die Wahrheit verschweigen zu können: Dass ich den, den ich liebe, dem vorgezogen habe, von dem ich weiß, dass er mir das gibt, was ich brauche und mir immer zuhört. Klar, ich habe schon direkt nach der Wahl angefangen zu überlegen, ob das richtig war, schon wegen Maxi, und überhaupt: Es kann sich so vieles verändern, so vieles, mit dem ich nicht klarkommen könnte. Doch die Angst, ihn vollständig zu verlieren, weder in Mathe noch in Sport zu haben und immer von Olivia zu hören, was er Tolles mit ihnen unternommen hat, wog schwerer als all die guten Erfahrungen, die ich mit dir gemacht habe, das Vertrauen und die Gewissheit, dass du immer da bist, auch wenn ich mir das nicht eingestehen wollte.
Ich brauche dich und mittlerweile fehlst du mir wirklich, auch wenn du das nicht merkst. Es tut weh zu sehen, wie du dir das Lächeln auf die Lippen zwingen musst, um deine Enttäuschung zu verbergen. Ich möchte mit dir reden, über irgendetwas Belangloses, ganz egal. Ich möchte dir in die Augen schauen und die Sicherheit sehen, die Unnahbarkeit, den Stolz, die Wärme, das Vertrauen.
Du hast nie Kinder gehabt, vielleicht hat dir das alles auch deshalb so viel bedeutet. Ich hoffe nur, dass sich dieses Vertrauen im Lauf der Zeit wieder herstellen lässt…
Ob’s auch ohne den Anderen geht, seh’n wir unterwegs…

Kommentare aus

Sounds like a melody…

Es passiert so viel im Moment, so viele Dinge, die mir durch den Kopf schwirren und einen ganzen Berg von Fragen zurücklassen. Manchmal sind es Begegnungen von zehn Sekunden, die alles auf den Kopf stellen, einen an so vielem auf einmal zweifeln lassen…
Gestern habe ich endlich meinen Personalausweis abgeholt, vorher bin ich einfach nicht dazu gekommen. Auf dem Weg habe ich meinen alten Klassenlehrer getroffen und mit einem Mal stelle ich die Entscheidung, für die ich eine Ewigkeit gebraucht habe, wieder in Frage. Wie konnte ich Herrn Sonnenschein ihm vorziehen? Ihm, der drei Jahre lang mein Klassenlehrer war, der immer viel mehr mitbekommen hat, als er gesagt hat, der mir mit seiner Art, Probleme zu lösen einfach genau das gibt, was ich brauche und dem ich immer vertrauen konnte, weil sicher war, dass er die wichtigen Dinge für sich behält… Wie konnte ich das aufgeben und alles auf eine Karte setzen? Herrn Sonnenschein sehe ich nächstes Jahr möglicherweise sechs Stunden die Woche und bei den Tutandentreffen, ihn vielleicht gar nicht. Die ganze Sicherheit gegen Ungewissheit – ist es das wirklich wert? In all der Zeit habe ich ihn so gut kennengelernt, dass ich sehr genau weiß, was ich von ihm zu erwarten habe – wie konnte ich das alles wegwerfen, bloß aus der Angst heraus, Herrn Sonnenschein gar nicht mehr zu sehen?

Kommentare aus

Should he stay or should he go?

„Ich stehe wohl grade vor der schwierigsten Entscheidung meines Lebens“, erzählte mir Maxi vor ungefähr einer Woche ganz nebenbei in der Pause vor Französisch.
Gut, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber ganz unwichtig ist seine Entscheidung auch nicht. Er überlegt nämlich, ob er nicht doch noch aufs Gymnasium in seinem Ort wechseln soll, eigentlich wäre er bescheuert, wenn er es nicht täte.
Jeden Tag höchstens acht Stunden (hier hat er bis zu elf oder zwölf), keine lange Anfahrt und seine Wunschprüfungsfächer bekäme er höchstwahrscheinlich auch. Englisch, Französisch, Mathe, Geschichte, Spanisch.
Die Leute kennt er dort natürlich auch schon, vom Sport und weil er eben in S. wohnt, außerdem gehen zwei seiner Freunde im nächsten Schuljahr ins Ausland nach Australien bzw. nach England und sind dann sowieso weg…
Warum also sollte er hierbleiben?
Wegen unserem gemeinsam erkämpften Französischkurs?
„Ja, das ist so ziemlich das einzige, was dafür spricht, hierzubleiben, das und die Leute. Sonst spricht eigentlich alles dagegen…“
Dienstag war er in S. zur Schule, um sich alles mal anzugucken und muss sich jetzt wohl irgendwann entscheiden…

Ich fänd’s ziemlich schade, wenn er weggehen würde, er gehört für mich zur Schule einfach dazu. Und eigentlich würde ich ihn schon verdammt vermissen.

Kommentare aus