Ich weiß, aber es ist zu spät. Ich kann es nicht mehr ändern und nur hoffen, dass du mir verzeihst, es irgendwann verstehst und wir vielleicht mal darüber reden können. Nur dazu muss sich erstmal die Gelegenheit bieten, denn wir werden nicht mehr viel Zeit gemeinsam verbringen: Bis auf Bio können wir gar keine Stunden zusammen haben, und selbst das ist nicht sicher.
Es tut mir Leid, das ist es, was ich sagen will. Es tut mir Leid, dass ich dir Hoffnungen gemacht und mich dann doch für jemand anders entschieden habe. Dabei wollte ich mich nie gegen dich entscheiden, aber eben auch nicht gegen ihn. Ich wollte immer beide, will es immernoch. Und es tut mir weh zu sehen, wie alle deine Tutanden weggehen. Moritz geht nach Australien, wenn auch nur für drei Monate und auch wenn er pünktlich zum Schuljahresbeginn wieder da ist. Jakob, der das ganze folgende Jahr in England verbringt. Und auch Maxi, der sich jetzt dazu entschlossen hat, nach S. aufs Gymnasium zu gehen und dir noch nichtmal davon erzählt hat. Es tut mir Leid, ich habe das alles so nicht gewollt. Ich wollte bloß nicht der erste auf deiner Liste sein, was, wenn sich danach keiner mehr eingetragen hätte? Ich wollte mit Olivia zusammenbleiben, aber sie wollte eben unbedingt Herrn Sonnenschein. Ich musste mich irgendwie entscheiden, auch wenn ich keinen von beiden verlieren wollte. Das alles sind doch im Grunde nur Ausreden um die Wahrheit verschweigen zu können: Dass ich den, den ich liebe, dem vorgezogen habe, von dem ich weiß, dass er mir das gibt, was ich brauche und mir immer zuhört. Klar, ich habe schon direkt nach der Wahl angefangen zu überlegen, ob das richtig war, schon wegen Maxi, und überhaupt: Es kann sich so vieles verändern, so vieles, mit dem ich nicht klarkommen könnte. Doch die Angst, ihn vollständig zu verlieren, weder in Mathe noch in Sport zu haben und immer von Olivia zu hören, was er Tolles mit ihnen unternommen hat, wog schwerer als all die guten Erfahrungen, die ich mit dir gemacht habe, das Vertrauen und die Gewissheit, dass du immer da bist, auch wenn ich mir das nicht eingestehen wollte.
Ich brauche dich und mittlerweile fehlst du mir wirklich, auch wenn du das nicht merkst. Es tut weh zu sehen, wie du dir das Lächeln auf die Lippen zwingen musst, um deine Enttäuschung zu verbergen. Ich möchte mit dir reden, über irgendetwas Belangloses, ganz egal. Ich möchte dir in die Augen schauen und die Sicherheit sehen, die Unnahbarkeit, den Stolz, die Wärme, das Vertrauen.
Du hast nie Kinder gehabt, vielleicht hat dir das alles auch deshalb so viel bedeutet. Ich hoffe nur, dass sich dieses Vertrauen im Lauf der Zeit wieder herstellen lässt…
Ob’s auch ohne den Anderen geht, seh’n wir unterwegs…