Von kalten Nächten auf dünnen Isomatten, die auf hartem, trockenen und vor allem französischen Boden liegen. Von Lagerfeuerabenden mit Gitarre und Würstchen, von sengender Sonne, die einem beim Arbeiten auf den Rücken brennt. Von Nachmittagen unter rauschenden Bäumen mit Menschen, die ich erst ein paar Tage kenne und doch zwei Wochen später schrecklich vermissen werde. Französisch, Englisch und Eigenverantwortung. Sommer 2010?
Archiv für Tagträume
Denn ich hab nur von dir geträumt…
Warum wacht man morgens um halb fünf auf und kann nicht wieder einschlafen, obwohl man noch zwei Stunden schlafen könnte?
Ich weiß es. Um zu träumen, mehr oder weniger wach, von diesem oder jenem. Vorzugsweise von diesem Kerl. Den ich nach der Schule geheiratet habe, obwohl wir während unserer achtjährigen gemeinsamen Schulzeit nie zusammen gewesen waren, wo wir doch die meiste Zeit ineinander verliebt waren. Mit dem ich zwei Kinder bekommen habe, Zwillinge. Josefin und Karolin, die mittlerweile acht Jahre alt sind. Ihrem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten, mir im Charakter zum verwechseln ähnlich. Die jetzt in die dritte Klasse gehen, im August ihren neunten Geburtstag feiern und unbedingt anfangen wollen, Basketball zu spielen. Weil Maximilian, der Jura studiert hat und neuerdings bei Dudeck in die Kanzlei eingestiegen ist, und ich, als meinen Eltern das Haus zu groß wurde, in dieses zurückgezogen sind, kenne ich den zukünftigen Trainer meiner beiden Töchter sogar. Es ist mein ehemaliger Mathelehrer, Herr Sonnenschein. Um ihn zu überraschen melde ich Josefin und Karolin deshalb nicht vorher telefonisch an, sondern gehe gleich mit ihnen hin. Wir warten vor der Turnhalle mit ein paar anderen kleinen Mädchen, als Herr Sonnenschein auf seinem Fahrrad um die Ecke biegt.
Als er auf uns zukommt, begrüße ich ihn. „Hallo, Herr Sonnenschein!“
Er hat sich eigentlich überhaupt nicht verändert, die gleichen wachen, blauen Augen scheinen mich zu durchschauen und zeigen mir, dass er mich erkennt. Nur seine Haare sind grauer geworden, als ich die Schule verlassen hatte, waren kaum die Schläfen grau gewesen.
Er sucht in meinem Gesicht die Konturen von früher, ist überrascht, mich hier zu treffen, schließlich war ich nach dem Abitur weggegangen, um Medizin zu studieren.
„Frau Mahnken?“
„Nicht mehr ‘Frau Mahnken’, mittlerweile Frau Paart,“ sage ich lächelnd, „aber Sie können auch bei Claire bleiben, meine Töchter möchten bei Ihnen Basketball spielen.“
Man sieht ihm die Überraschung an, aber auch den Triumph, ich glaube, er war immer davon überzeugt, dass Maxi und ich zusammengehören.
„Soso,“ antwortet er mit hochgezogenen Augenbrauen, wie um sich Zeit zu verschaffen.
„Das sind Karolin und Josefin,“ sage ich, woraufhin die beiden braunhaarigen und -äugigen Mädchen angelaufen kommen und Herrn Sonnenschein neugierig beäugen. „Und obwohl Maxi so oft mit ihnen Fußball gespielt hat, wollen sie unbedingt Basketball spielen lernen.“
„Soso,“ sagt er nochmals. „Dann denke ich, fangen wir mal an!“
Die anderen Kinder setzen sich in Bewegung und Josefin fragt: „Mama, bleibst du hier?“
„Nein,“ entgegne ich, „das schafft ihr auch alleine. Aber ich kann beim Abholen eine Viertelstunde früher kommen und euch zugucken, wenn euer Trainer es erlaubt,“ sage ich mit einem aufmunternden Lächeln in ihre und einem fragenden Blick in seine Richtung.
„Kein Problem,“ antwortet er und schließt die Tür zur Turnhalle auf.
Kommentare aus
So hätte es sein können…
Ich fahre durch die kalte Winterluft
Und mit einem Mal rieche ich das Meer
Ich kann das Salz auf der Zunge schmecken,
Das Meer rauschen hören,
Die warmen Sandkörner auf dem Bauch spüren, jedes einzelne
Und neben mir sitzt Maxi, massiert meinen Rücken und flüstert
„Jede Sekunde, die wir haben, ist ein Geschenk…“
Kommentare aus
Nächtliche Begegnung
Es war schon dunkel und ziemlich kühl, als ich von einer Mannschaftskameradin nach Hause ging. Wir hatten gerade ein Spiel verloren, schon das fünfte in Folge. Ihre Mutter hatte uns abgeholt und weil ich nur ein paar Straßen weit weg wohnte, hatte ich gesagt, sie müssten mich nicht nach Hause bringen.
Ich bog gerade um die Ecke an der Turnhalle, als Herr Sonnenschein schwungvoll die Tür öffnete und in die Kälte trat. Er sah mich erst etwas irritiert an, fragte dann „Claire! Wo willst du denn so spät und ganz alleine noch hin?“
„Ich gehe nach Hause, wir hatten grade ein Spiel.“
„Soso. Dann lass dich mal nicht klauen!“
„Ach was“, sagte ich, „mich klaut schon keiner! Es ist schließlich um diese Zeit kaum noch jemand unterwegs.“
„Hmm… Aber wenn du noch unterwegs bist und ich auch, warum sollten dann nicht noch andere Leute hier rumlaufen?“
„Also außer Ihnen hab ich heute Abend noch keinen gesehen… Und Sie haben doch nicht etwa vor, mich mitzunehmen?“, lachte ich.
„Man kann nie wissen…“
Kommentare aus